Fünf 1. Mai Traditionen in Deutschland

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Von der Walpurgisnacht mit Freudenfeuer, über Maibaumstellen bis hin zur Maikrawalle: Deutschland feiert den 1. Mai auf unterschiedlichste Art und Weise. Lesen Sie hier was in den verschiedenen Regionen Deutschlands rund um den 1. Mai passiert und erfahren Sie mehr über das diesjährige MyFest in Berlin-Kreuzberg!

Tanz in den Mai: die Walpurgisnacht

Der Tanz in den Mai wird in vielen Regionen ausgiebig gefeiert und begossen. Die Tradition geht auf heidnische Bräuche zurück, bei denen die Frühlingsgöttin Walpurgis geehrt wird. Man freut sich über die Sonne und das Ende der kalten Jahreszeit, zündet ein großes Feuer und tanzt darum herum. Da die Kirche, diese exzessiven Feiern im Mittelalter nicht gern hatte, wurde die Walpurgisnacht zur Hexennacht gemacht und Angst geschürt. 1300 wurde die Walpurgisnacht sogar ganz verboten und wer doch feierte, brachte sich – als Hexe oder Hexenfreund geltend – in Gefahr. Heute feiert man wieder gern in den Mai, ohne ausdrücklich eine Frühlingsgöttin zu verehren. Ob zeitgenössisch zu Elektro-Musik im Club oder historisch verkleidet als Hexe am Maifeuer im Harz, der Tanz in den Mai macht definitiv Spaß.

Wer liebt wen? Maibaumstellen im Rheinland

Im Rheinland, rund um Köln, Bonn und Aachen treffen sich junge Männer in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai um gemeinsam in den Wald zu ziehen. In der Regel machen sich die Grüppchen mit ausreichend Bier und Proviant auf die Suche nach den schönsten Birken der Region. Im Rheinland ist es nämlich Tradition dem Mädchen seiner Träume, oder auch einfach seiner Freundin, einen Baum vors Fenster zu stellen. Je größer und schöner der Maibaum, desto tiefer die Liebe! Der Maibaum ist traditioneller Weise eine zierliche Birke, dessen Krone mit bunt flatternden Kreppbändern geschmückt wird. Für die jungen Männer ist es ein Spaß mit ihren Freunden loszuziehen und die jungen Frauen freuen sich über die bunte Überraschung am nächsten Morgen! Wenn es keinen Maibaum gibt, ist man meist ein wenig traurig, aber die Hoffnung bleibt: vielleicht ja nächstes Jahr! Alle vier Jahre zum Schaltjahr wird der Spieß übrigens umgedreht und die Frauen beschenken ihre Männer. Allerdings werden heutzutage in und um Köln, der weltoffenen Gastgeberstadt des Christopher Street Days, natürlich auch gerne Maibäume an gleichgeschlechtliche Partner verschenkt!

Wo ist er denn hin? Maibaumraub in Bayern

In Bayern stellt man den Maibaum gewöhnlich nicht vor das Fenster seiner Angebeteten, sondern auf den zentralen Marktplatz des Dorfes. Der Maibaum ist hier auch keine natürliche Birke, sondern ein langer, gerader Stamm, der an seiner Spitze mit einem oder mehreren grünen Kränzen und bunten Bändern versehen ist. Der Maibaum wird häufig mit traditionellen Bildern und Wappen aus Holz geschmückt. In manchen Regionen Bayerns wird das Maibaum-Kraxeln veranstaltet. Hier üben sich die Mutigsten des Dorfes darin, den glatten Stamm ohne Hilfsmittel hinaufzuklettern. Wer es am höchsten schafft gewinnt! Ansonsten dient der Maibaum auf dem Marktplatz als Treff- und Mittelpunkt für volkstümliche Tänze der Gemeinde. Rivalisierende Nachbarsdörfler machen sich einen Spaß daraus, den Maibaum des anderen Dorfes über Nacht zu klauen und die Festivitäten der anderen zu sabotieren!

1. Mai – Tag der Arbeit

1. Mai ist nicht nur in Deutschland „Tag der Arbeit“, „Maifeiertag“  beziehungsweise „Kampftag der Arbeiterbewegung“. Weltweit wird der 1. Mai als „Internationaler Tag der Arbeiterbewegung“ genutzt um für die Rechte der Arbeiter zu demonstrieren. In Deutschland gilt der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag. Die Gewerkschaften halten öffentliche Reden und nutzen den Tag als Plattform um der aktuellen Situation der Arbeitenden Aufmerksamkeit zu schenken, Probleme anzusprechen und Forderungen zu stellen. Als Symbol zum „Tag der Arbeit“ trägt man traditionell eine rote Nelke.

Maikrawallen und MyFest in Kreuzberg

Kreuzberg war lange Zeit Zentrum der Berliner Hausbesetzer-, Punk-  und Alternativen-Szene allgemein. Hier gerieten Polizei und Autonome häufig aneinander. Am 1. Mai 1987 kam es das erste Mal zu massiven Ausschreitungen, bei denen hunderte Personen verletzt wurden. Seit dem werden immer wieder „Revolutionäre 1. Mai Demonstrationen“ in Kreuzberg und Neukölln ausgerufen, die häufig in Straßenschlachten zwischen Demonstrierenden und Polizei enden.

Um den ersten Mai wieder friedlicher zu gestalten, haben Anwohner und Vereine Kreuzbergs im Jahr 2003 das erste Mal das „MyFest“ ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um ein friedliches Straßenfest, das Randalierern den Raum nehmen soll. Bei diversen kulturellen Veranstaltungen und mit internationalen kulinarischen Leckereien soll der Tag der Arbeit friedlich und gemeinsam gefeiert werden. Das Programm des diesjährigen MyFest finden sie hier.

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